Die Bohusbahn:
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Die Bohusbahn (schwedisch:
Bohusbanan) ist eine eher beschauliche Strecke entlang Schwedens Westküste,
in Bohuslan, die von Göteborg nordwärts führt und in Strömstad
endet. Dazu gibt es eine Stichstrecke, die bei Munkedal abzweigt und an
die Küste nach Lysekil führt. Die Strecke ist einspurig, aber
elektrifiziert.
Warum es hier ausgerechnet
eine so ausführliche Beschreibung gerade dieser Strecke gibt: einfach
weil sie mir gefällt.
Auffallend entlang
der Strecke sind die alle nach gleichem Muster gebauten Bahnhofsgebäude,
die aber fast alle inzwischen privat genutzt werden (oder verkommen)
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geografische Lage Bohusbahn  |
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Geschichte +
weitere Strecken
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Die Strecke wurde 1898 als Teil einer
durchgehenden Küstenverbindung von Südschweden bis Oslo geplant.
Als allerdings 1905 die Union zwischen Schweden und Norwegen aufgelöst
wurde, endete der Bau der Strecke in Skee. Die wenigen Kilometer von Skee
bis an die Küste sollte ursprünglich durch eine private Gesellschaft
als Stichstrecke betrieben werden, dann übernahm aber doch die SJ
von Anfang an auch diesen Abschnitt. Die Strecke von Skee bis Uddevalla
wurde 1903 eröffnet, die Strecke von Uddevalla nach Göteborg
in Abschnitten 1906 bis 1909. Die Elektrifizierung der Strecke Göteborg
- Uddevalla kam 1939, der weitere Verlauf nach Strömstad wurde1950
elektrifiziert.
Ausser in Göteborg hat die Strecke
noch in Uddevalla eine Verbindung zum übrigen Schienennetz. Hier endeten
früher zwei Schmalspurbahnen:
- die Uddevalla-Vänersborg-Herrljunga
Järnväg (UVHJ) mit einer Spuweite von 1217 mm (4 englische Fuß),
die dann aber schon ab 1900 vollspurig betrieben wurde und über die
heute Züge von Uddevalla nach Borås verkehren und die via Öxenered/Trollhättan
auch Anschluß nach Stockholm u.a. bietet.
- die Uddevalla-Lelångens
Järnväg, (ULB), genannt Lelångenbanan, mit 891 mm Spurweite.
Die Bahn war von 1895 bis 1960 in Betrieb und wurde dann eingestellt.
Darüberhinaus gab es in Munkedal eine
Schmalspurbahn 600mm vom Bahnhof zum Hafen bzw zur Papierfabrik,die später
auf Normalspur umgestellt wurde. Der Zweig zum Hafen wurde eingestellt
und danach als Museumsbahn
wieder mit 600mm neu aufgebaut. Der Gleisanschluss zur Papierfabrik - heute
"Arctic Paper" - existiert nach wie vor, wenn auch in anderer Streckenführung.
Letztlich gibt es seit 1913 etwas nördlich
von Munkedal in Smedberg eine Abzweigung mit einer Stichstrecke nach
Lysekil (in den "Schären" des Skagerrak), die Lysekilbahn. Die Strecke
ist 38km lang und wurde zunächst privat betrieben. Nach der Verstaatlichung
1939 folgte 1950 die Elektrifizierung. Seit 1981 hat die Strecke nur noch
Güterverkehr, dieser wurde 2010 ebenfalls eingestellt.
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Stationsgebäude Ljungskile  |
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Stationsgebäude Uddevalla  |
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Strecke bei Skee  |
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Verkehr
+ Fahrzeugmaterial
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Der Personenverkehr
wird (mit kleinen Ausnahmen) ausschließlich von der regionalen Verkehrsgesellschaft
Västtrafik betrieben. Västtrafik setzt hierzu Triebwagen der
Reihen X11,12 und 14 ein, in zunehmendem Maße aber auch neue "Regina"triebwagen
der Reihen X 50 und X53. Lokgeführte Züge gibt es seit 2005 nicht
mehr. Die Verkehrsführung obliegt der SJ, bei der Ausschreibung der
Strecke 2009 hat DSB First die Verkehre ab 2010 gewonnen.
Die Triebzüge
fahren von Göteborg bis in das 90 km entfernte Uddevalla, eine Teil
der Züge fährt dann weiter bis nach Strömstad (weitere 90
km). In Uddevalla besteht Anschluss an die ebenfalls von Västtrafik
betriebenen Streck nach Borås.
Seit 2006 gibt es
üder die Strecke Uddevalla - Strömstad im Sommer eine X2000 Verbindung
nach Stockholm, ein Zugpaar täglich für den Urlauberverkehr.
Ganzjährig gibt es von Stockholm noch eine Tagesrandverbindung von
und nach Uddevalla, aber nicht weiter auf die Bohusbahn.
Güterverkehr
wird ab Göteborg durch Green Cargo betrieben.
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Zunächst einmal
gibt es zwei tägliche Güterzugpaare nach Stenungsund. Morgens
kommt eine T44 mit dem ersten Zug und rangiert in den umfangreichen Gleisanschlüssen
der chemischen Industrie. Sie stellt dann einen Güterzug zurück
nach Göteborg zusammen. Am Vormittag kommt ein zweiter Güterzug
mit einer Rc aus Göteborg. Der Zug ist oft sehr kurz und so geschieht
gelegentlich unübliches: Der Zug fährt direkt auf die im Bahnhof
in Stenungsund bereitstehenden Güterwagen auf. Die T44 zieht dann
die Wagen des zweiten Zuges ab und die Rc steht bereits für die Rückfahrt
vor dem Zug. Die T44 bedient erneut die Gleisanschlüsse und hat dann
nachmittags oft einen nicht unerheblichen Kesselwagenzug für die Rückfahrt
nach Göteborg.
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Weiter gab es bis 2009
zwei tägliche Güterzugpaare nach und von Lysekil, einer von Göteborg
aus, der zweite kam via Öxnered nach Uddevalla . Diese Züge wurden
zum Teil in Uddevalla und Munkedal nochmals rangiert. In Uddevalla findet
Güterumschlag im Hafen statt. In Munkedal wird ein recht langer Gleisanschluss
von "Arctic Paper" bedient. Früher wurde zum rangieren in Munkedal
die örtlich Z70 aus Uddevalla am Güterzeug einfach mitgenommen,
seit etwa 2007 wird aber in Munkedal mit einer T44 rangiert. Einer der
seit 2010 nur noch bis Uddevalla bzw Munkedal verkehrenden Züge wird
eigentlich immer mit einer Rm gefahren. Beide Züge fahren dann zurück
nach Göteborg.
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Uddevalla selbst wird
meist via Öxnered von privaten EVU´s und GreenCargo angefahren.
Dann wird in der Regel Fracht im Hafen umgeschlagen. Auch im Ort selbst
gibt es noch ein Holzterminal, dass mit einer längeren Stichstrecke
angeschlossen ist. Dies sind aber eher unregelmässige Transporte.
Der Autoumschlag im Hafen ist allerdings Sache von Green Cargo.
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Abzweigung Smedberg, 2009  |
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X 53, Uddevalla, 2009  |
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Güterzüge Stenungsund,
2009  |
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X 11, Stenungsund, 2008  |
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Jüngere
Geschichte + Ausblick
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Über Jahre
hinweg war das Schicksal der nicht sehr gut erhaltenen Strecken nördlich
von Uddevalla umstritten. Der Ausbau der ziemlich parallel verlaufenden
E6 zur Autobahn mit vielen nötigen Eisenbahnbrücken hätte
der wirtschaftliche Vorwand der Stilllegung der Strecke sein sollen. Letztlich
hat sich aber die Region durchgesetzt, die Strecke wird erhalten und modernisiert.
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2006 kam es im Rahmen
des Neubaus der Strasse zu einem spektakulären Erdrutsch bei Småröd.
Die neue Straße und die Bahnlinie wurden total zerstört, wie
durch ein Wunder gab es nur Verletzte. Zerstört wurde aber auch das
Eisenbahnmuseum Chateaux Småröd. Dies ist besonders tragisch,
weil der Besitzer bis zuletzt gegen die Strassenbaubehörde und den
Neubau gekämpft hat, die E6 sollte direkt 5 Meter hinter seinem Schlafzimmer
vorbeiführen. Der Abriss des Museums war im Prinzip beschlossen, als
der Erdrutsch dann Fakten geschaffen hat. An dieser Stelle entstand dann
auch das erste neue Streckenstück der Bohusbahn, die hier ein Stück
verlegt werden musste.
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Set 2009 wurden diverse
Bahnhöfe entlang der Strecke modernisiert, vor allem gibt es neue,
höhere Bahnsteiganlagen.
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2010 wurde die Strecke
von Skee nach Strömstad gesperrt, sie wurde bis 2012 komplett erneuert
und zum Teil verlegt. Insgesamt wurde schon 2009 die Zugfrequenz im südlichen
Abschnitt erhöht. Es gab u.a. zusätzliche Zugpaare Göteborg
- Stenungsund und zurück. Die Taktfrequenz nach Stenungsund wurde
auf halbstündlich, die nach Uddevalla auf stündlich ausgebaut.
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2010 wurde der Güterverkehr
nach Lysekil überraschend eingestellt, nachdem man dort beschlossen
hatte die Güter aus dem Hafen auf die Straße zu verlagern. Seither
gibt es dort nur sehr gelegntliche Verkehre, im Sommer auch einige Touristenzüge.
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Skandinaviska Jernbanors
AB (SKJB) hat 2011 das Betriebswerk in Uddevalla übernommen. Hier
sind die Fahrzeuge für den BLÅ TÅGET (Göteborg-Stockholm-Uppsala)
stationiert. 2016 wurde der Firma allerdings die Betriebserlaubnis entzogen.
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Streckenertüchtigung,
2009  |
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Busersatz, Skee, 2009  |
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Bilder
Etliche
Bilder dieser Strecke
finden sich unter "specials" (siehe auch Navigation links) in zwei Fotogalerien |
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